August 04, 2014

Interview with Axel Scheffler

I was really pleased to meet Axel Scheffler at the Tolle Galerie in Munich for this interview. For all those who don’t have children and who don't have a whole bunch of Scheffler/Donaldson books on their shelves as we do: Axel Scheffler is one of the most successful German illustrators and probably even more popular in the UK where he lives. His most famous book together with Julia Donaldson is „The Gruffelo“ with millions of sold copies, translated into over 40 languages. So I have to admit I was a bit nervous before the meeting with him ... We spoke about his exhibition and that he would love to try a different style of drawing and he told me that sometimes it can be quite difficult for him to work at home with a 6 year old around... He even drew some of his wonderful squirrels for me. You might remember this post?

Please excuse that this interview is in German. I will very soon post the English version. Just need some time to do a proper translation.

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Ich habe mich sehr auf das Interview mit Axel Scheffler in Der Tollen Galerie hier in München gefreut. Für alle, die keine Kinder und nicht wie wir einen kompletten Satz an Scheffler/Donaldson-Büchern im Regal stehen haben: Axel Scheffler gehört zu den erfolgreichsten deutschen Illustratoren der Gegenwart und ist in Großbritannien - er lebt in London - wahrscheinlich noch populärer als hierzulande. Sein bekanntestes Buch zusammen mit der Autorin Julia Donaldson ist "Der Grüffelo" mit mehreren Millionen verkaufter Exemplare, übersetzt in 40 Sprachen. Ich muss zugeben, dass ich ein bisschen nervös war, ihn zu treffen ... Wir haben über seine Ausstellung gesprochen und über seinen Wunsch, auch mal einen anderen Stil auszuprobieren, und er hat erzählt, dass es manchmal schwierig für ihn ist, zu Hause zu arbeiten, seit er eine Tochter hat ... Netterweise hat er am Ende unseres Gesprächs noch einige seiner herrlichen Eichhörnchen für mich gezeichnet. Erinnert ihr euch an diesen Post?



Herr Scheffler, Ihre Bilder sind zur Zeit in einer Ausstellung in Der Tollen Galerie in München zu sehen. Initiatorin der Ausstellung ist eine bekannte Kollegin von Ihnen, Rotraut Susanne Berner.  Wie haben Sie sich eigentlich kennengelernt und wie kam es zu dieser Ausstellung? 

AS: Wir kennen uns schon ganz, ganz lange. Wir wissen immer nicht genau, seit wann, aber wahrscheinlich seit 1990. Wir haben uns auf einer Buchmesse kennengelernt, entweder in Frankfurt oder Bologna, und sind seitdem befreundet. Susanne hatte schon lange angefragt, ob ich nicht auch mal eine Ausstellung machen möchte in Der Tollen Galerie und da ich jetzt sowieso nach München gekommen bin für das White Ravens Festival in der Internationalen Jugendbibliothek, habe ich zugesagt. 

Tauschen Sie sich miteinander aus?


AS: Früher mehr, in letzter Zeit weniger. Wir haben weniger Kontakt. Früher haben wir auch Workshops zusammen gemacht in den 90er Jahren. Da haben wir natürlich auch viel über unsere Arbeit gesprochen.

Welche Ihrer Bilder werden ausgestellt?

AS: Da sind einmal die Bilder meines neuesten Bilderbuches, die „Vogelscheuchenhochzeit“, mit Julia Donaldson, das Ende August herauskommt in Deutschland, in England ist es schon erschienen. Dann habe ich verschiedene kleinere Arbeiten ausgewählt, die ich zum Teil sowieso rumliegen hatte, andere habe ich extra für diese Ausstellung angefertigt zum Verkauf. Und als ich den Titel der Ausstellung hatte, „Von Ast zu Ast“, habe ich noch einige „Ast-Bilder“ gemacht, passend zum Titel.

Wie arbeiten Sie? Mit welchen Farben?

AS: Ich benutze Ecoline-Wasserfarben, das sind flüssige Zeichentuschen in kleinen Gläschen, nicht lichtecht. Dann verwende ich verschiedene Sorten von Buntstiften, ein bisschen weiße Gouache und Pinsel, Feder. Ich mache die schwarzen Außenlinien mit einer anderen nicht wasserlöslichen Tusche und Feder. Ich male alles mit der farbigen Tusche und Pinsel aus, danach gehe ich mit Buntstiften drüber, um den Farben die Leuchtkraft zu verleihen.


Wie lange brauchen Sie im Schnitt für eine Buchdoppelseite, von der Idee bis zur fertigen Zeichnung?

AS: Streng geheim. (lacht) Wenn alles gut geht, brauche ich einen Tag. Manchmal geht es nicht gut, dann fange ich noch mal von vorne an. Kommt auch ein bisschen darauf an, wie viele Details drauf sind. Wenn die Hälfte des Bildes aus Himmel besteht, dann geht es relativ schnell.

Und bearbeiten Sie Ihre Bilder auch am Computer?

AS: Nee, das mach ich nicht. Jedenfalls nicht selbst. Ich kann es nicht und möchte es eigentlich auch nicht können, weil sonst die Verlage sagen, dann mach es doch selbst. Zum Teil wird Photoshop verwendet bei meinen Sachen, aber dann erledigt das der Verlag. Zum Teil haben wir Hintergründe, Himmel, dahintergestellt am Computer, zum Teil kleine Veränderungen oder mal eine Figur, die verrutscht wird. Aber das kommt eigentlich auch selten vor.

Haben Sie mal mit dem Gedanken gespielt, eine andere Technik auszuprobieren oder einen anderen Stil?

AS: Ständig, ja! Aber dabei bleibt es auch. Diesen Wunsch haben, glaube ich, viele. Besonders da ich jetzt so viele Bücher in der gleichen Technik gemacht habe, würde ich auch gerne mal was anderes ausprobieren, aber irgendwie kommt es nie dazu. Es fehlt die Zeit, es wirklich auszuprobieren. Ich habe früher sehr viel in Skizzenbücher gezeichnet, was anders aussieht, und Umschläge für Freunde gemacht. Aber ich habe immer weniger Zeit.

Die immens hohen Verkaufszahlen Ihrer Bücher – bedeuten die für Sie eher ein Mehr an Freiheit oder ist es vielmehr so, dass der Druck durch Verlage und Leser dadurch steigt?

AS: Da ist wahrscheinlich was dran. Die Leute erkennen, das ist von mir, was auf dem Buchmarkt natürlich etwas Tolles ist. Und wenn irgendetwas erfolgreich war, wollen die Verlage mehr davon. Ich wäre aber in einer Position, in der ich sagen könnte: Ich möchte jetzt mal was ganz anderes machen. Ich fühle mich tatsächlich häufig wie eine Maschine, die ein Buch nach dem anderen macht, und die sehen dann halt immer ziemlich ähnlich aus.


Haben Sie einen Vertrag für ein Buch pro Jahr oder gibt es nach jedem Titel wieder neue Gespräche?

AS: Ich habe keinen festen Vertrag mit irgendeinem Verlag. Ich bin in Großbritannien jetzt bei mehreren Verlagen, das liegt daran, dass die Verlegerin, Kate Wilson, mit der ich zusammengearbeitet habe, den Verlag gewechselt hat und ich immer hinterhergegangen bin. Alles, was mit dem Grüffelo zu tun hat, passiert bei Macmillan in England, die denken sich ständig neue Variationen aus: Grüffelo für ganz Kleine, „Gegensätze“ sind auch auf Deutsch rausgekommen oder Touch and Feel Books. Jetzt wird es ein Pop-up-Buch geben demnächst. Die Bücher, die ich mit Julia Donaldson mache, sind bei Scholastic, da haben wir lange Zeit jedes Jahr ein Buch herausgebracht. Ich glaube, der Zweijahresrhythmus, den wir jetzt angefangen haben, passt uns beiden ganz gut. Und alles, was ich neu mache, mache ich für Nosy Crow, das ist ein neuer Verlag für Bücher und Apps in England. Dort arbeite ich wieder für Kate Wilson, mit der ich schon sehr, sehr lange befreundet bin.

Wer hat Sie in Ihrem Stil beeinflusst? Gibt es da Einflüsse? Oder haben Sie sich Ihren Stil selbst erarbeitet?

AS: Im Großen und Ganzen denke ich schon, dass ich mir das selbst erarbeitet habe. Ich habe als Kind nicht so viele Bilderbücher gehabt. Als Teenager habe ich dann Leute wie Tomi Ungerer und Edward Gorey entdeckt. Das, was Tomi Ungerer macht, an Humor und auch die vielen Details, die am Rande passieren, da gibt es, glaube ich, schon einen Einfluss. Ich habe allerdings nie gesagt, so will ich jetzt auch zeichnen. Aber ich sehe eine Affinität. Es gibt natürlich auch noch Leute wie William Steig, die ich sehr bewundere, und auch einige meiner Kollegen, aber da findet kein direkter Einfluss statt auf die Art, wie ich arbeite. Ich habe mir das wirklich selbst erarbeitet. Wo das genau herkommt, kann ich auch nicht sagen. (lacht)

Nach der Zusammenarbeit mit der Autorin Julia Donaldson gefragt, haben Sie mal geantwortet, dass es eigentlich keine direkte Zusammenarbeit gibt. Sie kriegen den Text und fangen an zu malen. Und sie schreibt unabhängig von Ihnen. Was mich interessieren würde: Stimmt Ihre Interpretation der Figuren mit der Vorstellung der Autorin eigentlich überein?

AS: Wahrscheinlich überhaupt nicht. (lacht) Den Grüffelo z. B. hat sie sich eher als Alien vorgestellt, also als Fantasiewesen und nicht als zotteliges Monster mit Hörnern. Die Hexe bei „Für Hund und Katz ist auch noch Platz“ hat sie sich auch ganz anders vorgestellt. Sie hat einmal ein schönes Bild benutzt. Sie hat gesagt, es ist wie bei der Urlaubsplanung. Man hat vorher ein bestimmtes Bild im Kopf, dann fährt man hin und es ist ganz anders, aber trotzdem schön. So muss man sich das wohl vorstellen. Aber wir haben jetzt so viele Bücher zusammen gemacht, dass Julia sich wahrscheinlich schon ungefähr denken kann, was dabei herauskommt bei mir. Es ist wohl der beste Weg für einen Autor, den Text abzugeben und zu sagen, das wird illustriert von irgendwem anders und der gibt seine Version dazu.


Sie haben eine sechsjährige Tochter. Können Sie da noch in Ruhe zu Hause arbeiten?

AS: Das ist eine sehr gute Frage, eine sehr berechtigte Frage. Alle meine Kollegen, die Kinder haben, haben gesagt, wenn du Kinder hast, dann musst du dir ein Studio außerhalb des Hauses suchen. Es geht schon, ich habe bisher alle Bücher fertig gekriegt. Jetzt ist sie schon ein bisschen älter und geht zur Schule, ist also die Hälfte des Tages aus dem Haus. Aber wenn sie da ist, sorgt sie schon ziemlich viel für Ablenkung. Was ich schwierig finde ... Früher konnte ich mich morgens hinsetzen und eine ziemlich geregelte Arbeitszeit von 9 bis 18 Uhr einhalten, das ist jetzt schwieriger. Dazu kommt, dass ich immer mehr und mehr E-Mails beantworten muss und irgendwelche Anfragen. Ich komme eigentlich immer weniger zum Zeichnen.

Wie findet denn Ihre Tochter Ihre Bücher? Hat sie ein Lieblingsbuch?

AS: Die interessieren sie nicht so sehr. Es gab eine Zeit, in der sie „Für Hund und Katz ist auch noch Platz“ sehr gerne angeschaut hat. Da war sie noch jünger. Wir haben jetzt angefangen, die Textbücher von Julia Donaldson zu lesen, die zum Teil auch ins Deutsche übersetzt sind wie „Das Riesenmädchen und die Minipopps“ und „Der kleinste Dinosaurier“, die ich auch illustriert habe, die fand sie sehr gut. Ansonsten bewegt sie sich jetzt aus dem Bilderbuch-Alter eigentlich schon raus. Sie hat auch nie ein Buch gehabt, das sie immer wieder lesen wollte, so wie manche Kinder das haben. Sie kennt die Bücher, aber ist nicht der größte Fan oder zeigt es nicht. (lacht) Sie hat ein ganz entspanntes Verhältnis dazu.


Mittlerweile gibt es Grüffelo-Plüschtiere, -Bettwäsche, -Rucksäcke ... Sind Sie als Illustrator eigentlich an den Verkäufen von Merchandising-Artikeln und an deren Entwicklung beteiligt?

AS: Wir, also die Autorin und ich, sind prozentual am Verkauf beteiligt, das heißt, wir kriegen einen bestimmten Prozentsatz vom Verkauf, sowohl von den DVDs als auch von den Merchandising-Produkten. Wir sind nicht beteiligt an der Entwicklung. Das übernimmt alles die Firma, die den Grüffelo-Trickfilm gemacht hat, das war eigentlich auch die Bedingung, den Trickfilm zu machen, dass sie die Merchandising-Rechte kriegen, weil sie das ja sonst gar nicht finanzieren können. Ohne dass sie diese Rechte kriegen, würde die Produktionsfirmen das nicht machen. Die Rechte liegen jetzt bei Magic Light Pictures, die alle drei Trickfilme, die es bisher gibt, produziert haben. Die Lizenzvergabefirmen machen unsere Style Guide, der festlegt, was man benutzen darf an Bildern. Wir haben uns darauf geeinigt, dass sie nur Bilder aus den Büchern, nicht aus den Filmen verwenden. Also der Grüffelo bleibt mein Grüffelo und nicht der animierte.

„Der Grüffelo“ gilt bereits als moderner Kinderbuchklassiker. Was macht Ihrer Meinung nach ein gutes Kinderbuch aus?

AS: Das werde ich oft gefragt, aber ich weiß eigentlich auch keine wirkliche Antwort. Es muss gut erzählt sein, spannend, Interesse erwecken, eine gute Geschichte. Für mich ist Humor wichtig und eine gewisse Wärme.


In Deutschland heißt es häufig, Kinderbücher wären nur Kinderkram.

AS: Das ist nicht meine Erfahrung. Wenn ich Signierstunden mache in Deutschland oder Großbritannien, treffe ich auch häufig Erwachsene, denen unsere Bücher gefallen und die dann leicht verlegen kommen, um sich die signieren zu lassen. Es ist für mich natürlich auch ein tolles Kompliment, wenn Familien die Bücher gemeinsam genießen können. Es gibt auch viele Eltern, die sagen, ich lese das immer vor und es wird mir eigentlich nicht langweilig, weil ich immer neue Details entdecke und die Texte so gut funktionieren. Natürlich gibt es diese Einstellung bei vielen Leuten, dass Kinderbücher nur Kinderkram sind, aber eigentlich am wenigsten bei Eltern, die diese Bücher auch benutzen. Die haben dann auch eine hohe Wertschätzung fürs Kinderbuch.

Ist das nächste gemeinsame Projekt mit Julia Donaldson schon in Planung?

AS: Ist es noch nicht, ich habe einzelne Gerüchte gehört, worum es gehen könnte, aber tatsächlich weiß ich oft das Thema nicht. Bei der „Vogelscheuchenhochzeit“ wusste ich nicht, worum es überhaupt geht in dem Buch, bevor ich den Text auf dem Tisch hatte. Julia macht das ganz unabhängig von mir. Wahrscheinlich werde ich nächstes Jahr an dem Buch arbeiten, sodass es 2016 herauskommt.

Gibt es ein Buch, bei dem Sie besonders froh sind, es gemacht zu haben?

AS: Es gibt eine ganze Reihe, die ich gerne mag, und ja, wenn ich sehe, wie populär die Bücher sind, ist es bei den meisten so, dass ich froh bin, dass ich die gemacht habe und dass sie da sind. Ich mag die skurrilen Bücher am liebsten wie „Räuber Ratte“, „Riese Rick macht sich schick“, „Stockmann“ mag ich, wo Julia etwas fantasievoller ist. Die, die mehr in der Realität spielen, das find ich schwieriger für mich. Ich mag die Märchenwelt.

Herr Scheffler, vielen Dank für dieses Gespräch!